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18 Hofstellen sind der historische Kern des Heidedorfes Schwalingen. Die Erkenntnisse aus der Siedlungsforschung, der Höfeforschung, der Flurforschung treffen sich in einem gemeinsamen Punkt: In seinen Anfängen besteht das Heidedorfes Schwalingen aus 10 Höfen, den Urhöfen. 7 dieser 10 Urhöfe werden in früher Zeit geteilt, so dass Schwalingen aus 3 Vollhöfen und 14 Halbhöfen besteht. Später kommt 1 Brinkköthner hinzu, der 18. Hof in Schwalingen. Diese Entwicklung ist nicht genau zeitlich zuzuordnen, aber sie ist wohl lange vor dem Dreißigjährigen Krieg abgeschlossen. Denn Dokumente, die aus dieser Zeit erhalten geblieben sind, führen für Schwalingen stets diese 18 Höfe auf. Auch in den weiteren 130 Jahren bleibt das so. Es wechseln zwar auf den Schwalinger Höfen die Wirte, teils bleiben sie in der Familie, teils wechseln die Wirtsfamilien. Aber neue Hofstellen kommen nicht hinzu. Über Jahrhunderte wird das Dorf Schwalingen also gesellschaftlich, kulturell, sozial und wirtschaftlich von einer fest geschlossenen Gruppe von 18 Höfnerfamilien geprägt. Erst nach dem Siebenjährigen Krieg, als das Kurfürstentum Hannover verstärkt beginnt, die Ansetzung von neuen selbstständigen Bauern mit eigenen Hofstellen zu fördern, entsteht 1770 auch in Schwalingen eine weitere Hofstelle - die erste Neubauerstelle. Unter schwierigen Bedingungen und mit viel Widerstand der Alteingesessenen, die um ihre Existenzgrundlage fürchten, werden mit starkem obrigkeitlichem Druck in den nächsten 30 Jahren weitere 6 Neubauern in Schwalingen angesetzt. Dann bricht die Entwicklung ab. Die Situation ändert sich entscheidend, als im Kurfürstentum Hannover in den 1830er Jahren die Gemeinheitsteilung beginnt. Nun ist Land für mehr selbstständige Hofstellen vorhanden und auch Schwalingen erlebt Zuwachs durch Abbauer/ Beibauerstellen. An der Schwalinger Gemeinheitsteilung und Verkoppelung, die 1838 beginnt, nehmen als Interessenten die schon bekannten 3 Vollhöfner, 14 Halbhöfner, 1 Brinkköthner und 7 Neubauern teil. Zusätzlich aber bereits 5 Beibauern und die Schwalinger Schule, sowie 5 Abbauern. Insgesamt 35 Hofstellen und die Schule - das ist die Höfestruktur in Schwalingen der nächsten Jahrzehnte. Mit dem Untergang des Königreichs Hannover, dem Beginn des Deutschen Kaiserreiches und den Auswanderungswellen in der zweiten Hälfte des 19.Jahrunderts verändert sich die ‘Höfelandschaft’ in Schwalinger wieder. Höfe werden aufgegeben oder zersplittert, neue Anbauernstellen entstehen, wenn sich z.B. Häuslingen selbstständig machen können. Aber diese Veränderungen sind nicht so bedeutend, dass sie das Typische der Schwalinger ‘Höfelandschaft’ beeinflussen. Auch heute noch - inzwischen gibt es 102 Wohnhäuser hier - sind es die alten, aus den Urhöfen hervorgegangenen Hofstellen in Schwalingen, die den unverwechselbaren, einzigartigen Charakter dieses Heidedorfes prägen. Über sie wird hier berichtet.
um 1770
Die Höfe im Heidedorf Schwalingen
- 2024
Halbhof „Peetz“, um 1930